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Potsdamer Kunstverein

Hommage für Suse Ahlgrimm: Start  l  Biografie  l  Künstler  l  Ausstellung

 
 

Christine Böer

Unterricht bei Suse Ahlgrimm (1955 – 1959)

Suse Ahlgrimm hat eine Begeisterung für Leistungen auf künstlerischem Gebiet in sich, die ansteckend wirkte, selbst für schlaffe Schüler, wie wir es in unserer Schulzeit wohl oft waren. Kulturdenkmäler in Jahrhunderten geschaffen im Sinne jenes zeitlos Gültigen – in der Malerei, Architektur oder Plastik – fanden in Suse Ahlgrimm eine wunderbare Fürsprecherin. Ich glaube, dass ich damals in den ersten Kunstgeschichtsstunden irgendwie betäubt war von der Schlichtkeit und Ernsthaftigkeit, mit der Suse Ahlgrimm einzelne Kunstwerke erläuterte, beispielsweise die Schnitzereien eines Veit Stoß oder eines Tilman Riemenschneider für Altäre, bei

Jürgen Schneider mit Anwälten vor dem Frankfurter Landgericht, 1997

für größere Darstellung der Werkbei- spiele bitte auf die Abbildungen klicken

 

denen ihnen Zeitgenossen als Modelle dienten. Die Innigkeit und das Hingegebensein an eine Idee jenseits materieller Werte nahmen mich gefangen. Ich verdanke Suse Ahlgrimm das, was der ganze Marxismus, den ich keinesfalls verachte, mir nicht so beibringen konnte; ich verdanke Suse Ahlgrimm Glauben – Glauben an etwas, was Künstler noch in den Turmspitzen der Kathedralen zur Vollendung ihrer Arbeit brachte… die Sehnsucht, das wiederzugeben, wofür es lohnt zu leben, wenn es auch wahrscheinlich niemand anderer zu Gesicht bekommt – und die Anbetung und Freude an dem, was uns Menschen jenseits des Kommerz verbindet. Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf… auch nicht der der anderen Geschöpfe. Die Blasen, die sich heute blähen, verblassen vor solcher Bescheidenheit.

Christine Böer geb. Mainka, Hamburg 2010

 

 

 

Antje Brosig

Kunsterziehung im Unterricht von Frau Ahlgrimm
(1962–64 an der Helmholtz-Oberschule)

Geordnet strukturiert lebendig klar
gewürzt mit einer einladenden Strenge
die ganze Aufmerksamkeit erbat.
Erst in die Stille hinein kam das Wort.

So zumindest erinnere ich mich.

Die Wichtigkeit eines jeden Wortes war geknüpft
an ein Bild, ein Kapitel Kunstgeschichte
oder an dargestellte Lebenssituationen.

Bauminsel, 1991

 

Wie mit einer Lupe wurde uns so die Kunst nahegebracht
und gleichzeitig in einen großen Zusammenhang gestellt.

Die Praxis zu der Theorie war das Malen und Zeichnen
alltäglicher Gegenstände oder auch des Treppenhauses.
Das war wie ein Lauschen und galt uns selbst.

Für Ihren sehr ungewöhnlichen Unterricht,
LIEBE FRAU AHLGRIMM : Herzlichen Dank!

Antje Brosig geb. Viebeg, Potsdam 2010 

 

 

 

Tanzend –
Für die Akrobaten und Vögel, 2006

Elke Bullert

In der Schulzeit von 1956 bis 1960 habe ich an der Helmholtz-Oberschule
eine wunderbare Ausbildung erhalten.
Der musische Direktor Fritz Selke unterrichtete in unserer Klasse das Fach Literatur.
Ältere, erfahrene Lehrer prägten im altsprachlichen Zweig noch den Charakter des ehemaligen humanistischen »Viktoria-Gymnasiums«.
Im Zeichenunterricht kam es mir vor, als würden wir von einer Vertreterin des Bauhauses unterrichtet.
Mit ihrem Reichtum an Wissen lehrte uns Suse Ahlgrimm die Liebe zur Kunst, lehrte das Sehen.
Bei kunstgeschichtlichen Themen ließ sie Bilder und Bauwerke lebendig werden,
stellte stets Bezüge zur Geschichte, zur Literatur und Musik her. Mühelos, mit klaren Worten zog sie uns in eine imaginäre Welt.

 


An eine Stunde, in der Suse Ahlgrimm über die Pfalzkapelle von Aachen sprach, erinnere ich mich besonders gern.
Es war ein Wunder:
Kleine schwarz-weiße Abbildungen in die Höhe haltend, erzählte sie über die Schönheit des Bauwerkes, über die Handwerkskunst der Baumeister, die Geometrie, das Material und die Idee der Kapelle.

Alles verwob sie und das Gebäude entstand in meiner Phantasie so plastisch,
als würde ich mit ihr durch die Räume gehen, Musik hören.

Elke Bullert, Potsdam 2010

 

 

 

Dirk Burkholder

1947 in Gadebusch geboren
1965 Abitur an der EOS 4 (Helmholtzschule), Potsdam
1968–1973 Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Prof. Walter Womacka
1976 Mitglied des VBK der DDR (spätere Streichung ohne Angabe und ohne Jahr)
lebte bis Anfang der 90er Jahre in Berlin
derzeitiger Aufenthalt unbekannt

Arbeiten im privaten und öffentlichen Besitz
Kunstarchiv
Beeskow

 

 

 

Manfred Butzmann

Ich bin ihr dafür sehr dankbar …*

Als ich mich im Februar 1961 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bewarb, muß ich auf Werner Klemke den Eindruck gemacht haben, sicher damit zu rechnen, dass ich aufgenommen werde. Jedenfalls fragte er mich: »Woher wollen Sie wissen, ob wir Sie nehmen werden?« Und ich erinnere mich an meine Antwort damals: Bis jetzt ist in jedem Jahr einer aus unserer Schule angenommen worden.« Unsere Schule – das war die Helmholtz-Schule in Potsdam, das ehemalige Viktoria-Gymnasium. Sicher kam meine gewisse Selbstsicherheit nicht von diesem alten Namen. Das Vertrauen hatte mir wohl Suse Ahlgrimm eingepflanzt, wie vielen anderen vor mir auch schon.

Über allen anderen Klassenräumen war ihr Reich, ganz allein – denn nur sie unterrichtete Zeichnen, kein anderes Fach. Und dazu gehörte ganz selbstverständlich Kunstgeschichte. Noch immer habe ich die damals angelegten – sogar gebundenen – Sammlungen zur Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Romantik, Realismus, Impressionismus und Expressionismus. Suse Ahlgrimms Raum war größer als alle anderen Unterrichtsräume, es war in meiner Erinnerung ein richtiger – heller – Saal, und jeder konnte dort über den Dächern des Holländischen Viertels, auch seinen eigenen Freiraum finden. Dieses »Über-den-Dingen-Stehen« und die fordernde Freundlichkeit unserer Zeichenlehrerin führte wohl offenbar zu dem oben beschriebenen Selbstbewusstsein.

Auch die Neugier auf die Arbeit der Mitschüler hat sie gefördert: »Kennen Sie schon den Peter Fritz?« und: »Die Gisela Kretschmann hat sehr gute Sachen gemacht in der letzten Zeit, auch Elke Bullert und Wolfgang Liebert.«

Wir wussten, dass sie auch selbst malte. Manchmal hing eine Arbeit von ihr in dem langen, schmalen Materialraum neben dem Zeichensaal. Aber nie hat sie die eigenen Werke lehrhaft vorgezeigt, eher schon die Arbeit eines … begabten Schülers. Durch ihre eigene künstlerische Tätigkeit wusste sie genau, wovon sie sprach, wenn sie Korrektur gab oder Spezialaufgaben, wenn der Erfolgsgewöhnte seiner Sachen zu sicher wurde: »Manfred, zeichnen Sie doch mal eine Wendeltreppe von unten!« Also setzte ich mich vor das Belvedere in Sanssouci – und bekam fast eine Genickstarre davon … aber ich hatte ein weiteres ungewöhnliches Blatt für die Bewerbung in der Kunsthochschule.

Ab und zu gab es was Besonderes aus der langen Kammer: »Nehmen Sie mal was von dem alten Aquarellpapier.« Der Stapel davon war auffällig groß und in meiner Erinnerung wie ein unermesslicher Schatz, nicht enden wollend. Noch immer male ich gern auf diesem Papier, auf dem man so gut auswaschen kann, ohne dass eine hässliche Stelle entsteht. Erst später habe ich von den alten Malern Magnus Zeller, Curt Querner und auch von Herbert Tucholski wieder gehört, wie wichtig gutes Aquarellpapier ist.

Aber Suse Ahlgrimm war die erste, die mich auf gutes Material hingewiesen hat! So ist mir jetzt auch – durch ihren sehr bewussten Umgang mit dem Material – die Veränderung in ihrem eigenen Werk nachvollziehbarer geworden. Immer wieder gern sehe ich mir die Arbeiten von ihr an … Auch weil Suse Globisch-Ahlgrimm … wohl so etwas wie ein Kunsterzieher-Ethos als Künstlerin vorlebt.

Manfred Butzmann, Berlin 1993 (leicht verändert in Bornim 2010)

*In: Suse Ahlgrimm, Malerei aus drei Jahrzehnten, Edition: Kunst aus Brandenburg,
Katalog, Potsdam o. J., S. 9

 

 

 

Christiane Dorst

Meine Erinnerung an Suse Ahlgrimm

Suse Ahlgrimm lernte ich 1956 nach einem Schulwechsel in die Dortu-Schule kennen. Der Zeichen- und Malunterricht fand hier in einem Zeichensaal statt, es gab große Arbeitstische, große Papierbögen, große Pinsel und große Töpfe mit Farben. Und eben Suse Ahlgrimm! Das erste Mal in meinem Leben bemalte ich große Flächen aus dem Schwung des Körpers und mit Lust an Farbe und Strich. Mein Wunsch, einmal Bühnen- und Kostüm- bildnerin zu werden, stand schon lange fest, durch sie bekam ich Ermunterung und Mut.

Christiane Dorst, Potsdam, den 23.9.2010

 

 

 

Peter Fritz

Erinnerung an Suse Ahlgrimm

Im Jahre 1958 kam ich von Werder/Havel nach Potsdam zur Helmholtz-Oberschule. Ohne nennens- werte geistig-musische Vorprogrammierung war ich, abgesehen von einer vermutlich angeborenen Nei- gung zu Wald und Wiese, damals innerlich besetzt von leichtathletischen Karrierevorstellungen. Um davon abzukommen, bedurfte es einer von unserer Zeichenlehrerin, Suse Ahlgrimm, hervorgerufenen Initialzündung.
Ein von ihr im Rahmen des Unterrichts angesetztes Porträt-Zeichnen geriet mir einigermaßen gut, wie

Überschwemmte Landschaft, 2005

 

ich glaubte, und ich war plötzlich motiviert, irgendwie weiterzumachen. Was ich dann auch zu Hause über viele Wochen tat.

Mit den Ergebnissen ging ich Anfang 1961 vertrauensvoll zu meiner Lehrerin und von da an gab sie mir die nötige Orientierungshilfe. Gelegentliches Abgleiten ins Süßliche, etwa, wenn ich sie mit einer Aktzeichnung konfrontierte, die mangels an Gelegenheit nicht nach der Natur entstanden war, bremste sie sehr behutsam aus, so dass ich durchaus nicht ent- mutigt, wieder auf die Schiene des soliden Naturstudiums zurückfand.

Dazu kam der Kontakt zu bereits künstlerisch aktiven Mitschülern aus anderen Klassen, den Frau Ahlgrimm vermittelte und woraus sich dauerhafte freundschaftliche und künstlerisch anregende Beziehungen ergaben. Für all das bin ich meiner Lehrerin noch heute dankbar.

Peter Fritz, Berlin 2010

 

 

 

Trio 1-3, 2005

Regina Klug

Erinnerung

Von 1975 bis 1977, ihre letzten zwei Lehrerjahre, nahm ich am Unterricht von Suse Ahlgrimm teil.
Zwischen Musik- und Kunstunterricht musste ich am Anfang der 11. Klasse schweren Herzens wählen. Ich entschied mich für die Kunst und bereute die Wahl und den Aufstieg in den hellen Kunstraum unter dem Dach der Schule kein einziges mal.

 

Es war eine farbige autarke Welt, in die wir eintauchen durften. In Erinnerung blieben mir besonders die lebendigen Erzählungen über Künstler und deren Kompositionen, tiefgehende Bildanalysen der Werke vor allem der Expressionisten.
Und dann unser eigenes Herantasten an Farbe und Formen. Vorgelebt durch Suse Ahlgrimms besonderer Gabe genau hinsehen zu können, hat sie uns SEHEN gelernt und immer wieder bestärkt, den eigenen Weg zu suchen und trotz äußerer und innerer Widrigkeiten nicht aufzugeben. Es war ein erfüllter Abstieg nach einer Stunde in den Schulalltag.
Mit ihrer ansteckenden Begeisterung für die Kunst und ihrer persönlichen Förderung hatte ich den Mut, mehr zu probieren und fasziniert von den Alten Meistern entschied ich mich für das damals noch recht neue Studium der Gemälderestaurierung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, wo sich künstlerische und handwerkliche Ausbildung verbanden.
Wenn ich in Potsdam war, besuchte ich ihre Ausstellungen und wir blieben in losem Kontakt.
Suse Ahlgrimm, eine fördernde und fordernde Lehrerin, die es verstand, mich neben vielen anderen Schülern auf den künstlerischen Weg zu bringen.
So schrieb sie mir vor Jahren: »Wen es einmal gepackt hat, der kann nicht mehr lassen von der Kunst.«
Ihr Credo ist auch mein Anliegen geworden. Sei es die Bewunderung für alte und zu erhal- tende Kunst früherer Zeiten, die mir täglich begegnet, das Interesse für zeitgenössische Kunst bis hin zu eigenem künstlerischen Suchen und Tun.
Vielen Dank dafür, herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag und Kraft und Gesundheit für das eigene künstlerische Schaffen wünscht Regina Klug.

 

 

 

Lastkahn auf der Havel, 2010

Lothar Krone

Erinnerungen an den Kunsterziehungsunterricht bei Suse Ahlgrimm

Meine Begeisterung für die Bildende Kunst habe ich gleich einem ganzen Quartett von Menschen zu verdanken. Obgleich meine Mutter selbst keine besonders intensive Beziehung zur Malerei entwickeln konnte, war sie es doch, die meinen kindlichen Gestaltungsdrang als erste entdeckte und so malte ich wie viele Kinder bereits vor der Einschulung exzessiv.

 

Dass diese Lust am Zeichnen und Malen nach meiner Einschulung 1958 nicht sofort wieder abgetötet wurde habe ich dem Maler August Burda zu verdanken der als Küster von St. Peter und Paul tätig war und im Nebenberuf, an der Johann-Sebastian-Bach-Schule, als Zeichenlehrer arbeitete. Den entscheidenden Schub in Richtung Kunst erhielt ich aber erst sehr viel später, als ich an das Helmholtz-Gymnasium (damals EOS 4) wechselte und dort die Kunsterzieherin Suse Ahlgrimm und durch sie ihren späteren Mann, den Maler Hubert Globisch (1914–2004), kennenlernte. Wenn ich diese für mich vielleicht wichtigsten, weil mein ganzes späteres Leben prägenden Jahre erinnere, so tauchen in der Flut der Bilder und Geschehnisse vor allem die lustvollen malerischen Experimente im wunderbaren lichtdurchfluteten Zeichensaal und die tief empfundenen Elogen unser Kunsterziehungs-Lehrerin für den Expressionismus auf. Mit ihrer kaum kaschierten Geringschätzung für die ideologischen Erzeugnisse des Sozialistischen Realismus hatte sie bald einen Großteil der Klasse zu leidenschaftlichen Neoexpressionisten umgepolt. Es waren aber nicht nur die hehren Helden der dickleibigen Expressionisten-Wälzer die sie uns nahe brachte. Ein Name klingt in meinen Ohren bis auf den heutigen Tag, weil ich ihn mit genauso gehobener und vor Erregung zitternder Stimme ausspreche wie die Namen Macke, Marc oder Nolde. Egon von Kameke (1881–1955), den Globisch noch kannte, verehrten wir, nach dem sie uns mit seinen Arbeiten bekannt gemacht hatte. Bald galt er für uns als der Maler der dem Expressionismus in der Mark zum Durchbruch verhalf. Eines Tages aber wurden wir Zeugen eines mittleren Wunders. Suse Ahlgrimm zeigte uns in einer kleinen provisorischen Schau in der Schule Originalarbeiten unseres Idols Egon von Kameke. Diese winzige, unscheinbare Ausstellung veränderte mein Leben mehr als die massiven pädagogischen und politisch-ideologischen Attacken meiner kompletten Schulzeit. Einmal, nach der Zeugnisausgabe, fragte ich sie: »Warum haben Sie mir ein ›sehr gut‹ in Kunsterziehung gegeben obwohl ich nicht einmal einen richtigen Kunstgeschichtshefter abgegeben habe?« Ihre Antwort war verblüffend logisch: »Aber Sie sind doch sehr gut in Kunst«. Diese auf leisen Sohlen daher kommende Konsequenz, eine wundervoll dosierte Begeisterung und ihre sensible Pädagogik waren wohl das Wichtigste was mir in meiner langen Schulzeit widerfahren ist.

 

 

 

Wolfgang Liebert

Rote Kirschen – Sommerferien 1961 in Lindenberg

Sommerglut lastet schwer über der Ostprignitz.
Ich bin mit meinem Diamant-Fahrrad unterwegs zur großen Koppel und werde abends die Kühe ins Gehöft treiben. Die Sonne glitzert in den Speichen, feiner Sand spritzt an die Schutzbleche. Vom Dorf her das Gekreische einer Kreissäge, fernes Hunde- gebell. Auf dem Gepäckträger ist mein Campingbeutel mit dem Skizzenblock, Bleistiften und Kreide festgeschnallt. Ich will heute unbedingt die drei großen Eichen zeichnen; sie umsäumen die Wiese und prägen das Land ringsum.
Entlang des Sandweges stehen beiderseits alte Kirschbäume mit herabhängenden Zweigen voller

Venus von Malta, 2006

 

reifer Früchte. Ich lege mein Rad ins Gras und steige in den Baum. Während ich die Kirschen von den Stielen streife, sucht mein Blick die Silhouette der mächtigen Eichen. Der Saft rinnt durch meine Finger und hinterlässt erste Spuren auf dem Zeichenpapier. Wie nun soll ich beginnen? Zuerst den Umriss festlegen und den Charakter erfassen, die dunkle Form gegen das helle flirrende Licht setzen, das Blattwerk, die Struktur der Rinde ergrün- den oder zusammenfassend die großen Massen der Formen gegen die Vertikalen und Horizontalen ausspielen? Wie hilfreich wäre jetzt ein berufener Rat!

Potsdam-Babelsberg, Garnstraße – Juni 1962

Unsere Kunsterzieherin Suse Ahlgrimm hat mich zu einem Besuch in die Garnstraße ein- geladen. Ich bin darüber sehr erfreut, denn sie weiß, dass ich mich nach dem Abitur zum Kunststudium in Berlin-Weißensee bewerben möchte. Lange schon knüpft sie die Fäden zwischen M. Butzmann, P. Fritz und mir. Uns alle erfüllt der Traum von Kunst. Der Gang in die Garnstraße ist ein anderer Weg als die Stufen zum Zeichensaal mit seinen alten Arbeitstischen und Mappenschränken hinauf. Heute werde ich Arbeiten meiner verehrten Kunstlehrerin sehen. Ich bin in neugieriger Erwartung. Sie begrüßt mich freundlich und bittet mich in den Garten des schönen Weberhauses. Wir nehmen an einem Holztisch Platz, trinken Tee und kosten von dem Gebäck. Der Garten steht in frühsommerlicher Blüte, eine Schattenmorelle glüht voller roter Früchte. Als Suse Ahlgrimm ihre Zeichenmappe aus dem Haus holt und auf dem Tisch öffnet, erscheint mir eine ganz andere Welt, es ist die Welt der Kunst. Ich sehe Naturstudien auf farbigem Papier, einem Mittelton, in Kreide, weiß gehöht, Bleistiftzeichnungen der Form nach schraffierend gerundet. Ich betrachte Studien von Vogelfedern auf grauem Grund, die scheinbar über das Papier schweben. Mir ist klar, dass intensive Naturbetrachtung das Fundament und der Ausgangspunkt für künstlerische Entwicklung ist.
Ich weiß nicht, ob Suse Ahlgrimm bemerkt hat, wie ich auch immer wieder den Kirschbaum betrachtete. Ganz plötzlich steht sie auf und pflückt eine Schale von Morellen, die wir bei unserem Gespräch über Wege zur Kunst genießen.

Wolfgang Liebert, Potsdam 2010

 

 

 

Gisela Neumann

Erinnerungen an Suse Ahlgrimm

Bei dampfendem, erfrischendem Tee sprachen wir natürlich über Suse Ahlgrimm!

Unsere Erinnerungen an Sie: Ihre Gedankenschärfe und –freiheit, Ihre Kunstbegeisterung und besondere Fährigkeit diese Begeisterung temperamentvoll auf uns Schüler zu übertragen.

Die Schülerin Gisela aber erinnert sich ganz besonders an Ihre motivierende Kraft weiter- zuschaffen bei Verzagtheit, in künstlerischen und anderen Krisenzeiten des Lebensbogens. Diese fürchterlichen Zeiten, wenn Lebenstäler und Schaffenstäler in ihren Kurven absolut und passgenau übereinstimmen …

Ich wünsche Ihnen, liebe Suse Ahlgrimm, Gesundheit und recht viel Zeit für die eigene Kunst!

Gisela Neumann, Berlin 2010

 

 

 

Monika Olias

Für meine ehemalige Kunsterzieherin Suse Ahlgrimm-Globisch

1972 war ich für kurze Zeit freie Mitarbeiterin der Studentenzeitung FORUM, die damals schon wegen ihrer kritischen Beiträge auf der Abschussliste des DDR-Pressewesens stand. Ich hatte den Auftrag, eine Untersuchung durchzuführen zum Thema: »Die Kunst im Leben junger Leute«. Diese Untersuchung erschien dann unter dem Titel »….aber ich kann mich nicht begeistern?« In vielen Gesprächen mit Schülern und Lehrlingen stellte sich heraus, dass der Kunstunterricht in der Schule wenig positiven Einfluss auf die Jugendlichen ausübt: zu wenig Angebote, zu geringes Engagement vieler Lehrer, gegenwartsfern. Die Zeitschrift FORUM wurde übrigens bald darauf ›abgewickelt‹ wegen solcher Artikel, die unter anderem Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung, auf die Palme brachten.
Über meinen Kunstunterricht, fünfzehn Jahre früher bei Suse Ahlgrimm, muss ich das Gegenteil sagen. Sie hat durch ihre Anregungen mein Verhältnis zur Bildenden Kunst und Architektur damals und mein Leben lang wesentlich beeinflusst und gefördert.

Zwei Beispiele:
1. Die Kunstreise 1955 – Romanische Architektur
Nach der Beendigung der 9. Klasse im Sommer 1955 nahm ich an der Kunstreise teil, die Suse Ahlgrimm uns Schülern anbot: Halberstadt – Gernrode – Quedlinburg mit ihren wunderbaren romanischen Kirchen und Klöstern. Wir zeichneten diese beeindruckenden Riesen, zum Teil inmitten der vom Krieg zerstörten Städte von außen, wir saßen im Kreuzgang und erfuhren den Rhythmus von Rund- und Spitzbögen. Auf dieser Reise legte Suse Ahlgrimm den Grundstein für meine lebenslange Bewunderung der romanischen Architektur, für die Klarheit und Ausstrahlungskraft ihrer Formen, für ihre archaische Monumentalität. Diese Kunstreise und später die aufwendige Gestaltung der berühmten ›Kunstmappe‹ weckten Interesse und Sehnsucht nach dem Holstentor in Lübeck, ein Beispiel weltlicher Romanik, nach den Kaiserdomen von Speyer, Worms und Mainz, nach dem Aachener Dom, natürlich auch nach den Pyramiden, nach der Akropolis von Athen und, und, und……
Die Erfüllung dieser Wünsche musste lange auf sich warten lassen, aber sie wurde seit 1990 nach und nach Wirklichkeit. Welche Freude auf der Fahrradtour von Heidelberg nach Speyer, den Dom mit seinen vier Türmen über den Rhein winken zu sehen!
Den Naumburger Dom konnten wir schon ab den 60erJahren erleben. Wir haben ihn wieder und wieder besucht, die berühmten Stifterfiguren, den Westlettner. Und diese Begeisterung an unsere Kinder weitergegeben. Jetzt sind die Enkel dran.
Danke, Suse Ahlgrimm, für diese Lebensbereicherung bis zum heutigen Tag!

2. Kunstgeschichte – Der Expressionismus
In sehr anregenden Vorträgen mit ihrem persönlichen Bildmaterial hat uns Suse Ahlgrimm – entgegen der herrschenden Ideologie – mit der Malerei und Grafik der Künstler des Expressionismus bekannt gemacht. Zum Schlüsselerlebnis wurde für mich daraufhin während meines Studiums der Kunsterziehung an der Humboldt-Universität zu Berlin die Ausstellung »Triumph der Farbe«, 1959 im wieder aufgebauten Seitenflügel vom Schloss Charlottenburg in West-Berlin. Das »Selbstbildnis mit Modell« von Ernst-Ludwig Kirchner als Eingangsgemälde, 1,50 x 1,00 m, haute mich fast um. Die expressionistische Malerei blieb für mein Leben bestimmend – auch für die eigenen Arbeiten.

Monika Olias
Kunsterzieherin und Journalistin
Gründerin und ehemalige Leiterin der Kunstschule Potsdam e.V.

 

 

 

Bettina Pfüller

Erinnerungen an Suse Ahlgrimm

Sie war eine besondere Persönlichkeit unter den Lehrern der Helmholtz-Oberschule.
Bevor ich an die Schule kam, hatte ich schon von ihr gehört. Die älteren Schwestern meiner Freundin Eva-Maria Viebeg waren bereits Schülerinnen von Suse Ahlgrimm und hatten mit großer Hochachtung und Begeisterung von ihr und ihrem Unterricht gesprochen.
Ich war also gespannt und neugierig auf den Kunst- und Malunterricht, der mich ab der 9. Klasse an der Oberschule erwartete.
Die äußere Erscheinung von Suse Ahlgrimm beeindruckte mich:
Das akkurate Pony, sehr hoch gesetzt, die klaren und offenen Gesichtszüge, die hervorstechende Ernsthaftigkeit und Engagiertheit, dazu im Kontrast das »Lose-Kleid-System«.
In Erinnerung geblieben sind mir wadenlange bis bodenlange Kleider, hängerartig ohne Betonung der Taille, und flache bequeme Schuhe, um elastisch ausschreiten zu können und mit großen Zeichenmappen und Anschauungsmaterial beladen, flink über die langen Flure der »Helmholtz« eilen zu können. Eine andere, aber auch sehr geschätzte und engagierte Lehrerin, bevorzugte dagegen in dieser Zeit Miniröcke und Pumps, mit denen sie in unsere Klasse trippelte.
Das Wichtigste an Suse Ahlgrimm aber war ihr Engagement für die Kunst und ihr Credo, soviel wie möglich davon an uns, ihre Schüler, weiter zu geben. In dieser Zeit der ersten Oberschuljahre war durch Suse Ahlgrimm die Begeisterung für das Malen und Zeichnen so groß, dass bei einer Vielzahl von Schülern der Traum entstand, später Maler oder Künstler zu werden. Ihre Art, Kunst zu betrachten und zu vermitteln, war besonders intensiv.
Deshalb denke ich auch heute noch, wenn ich Galerien und Ausstellungen besuche, an Suse Ahlgrimm und danke ihr dafür.

Bettina Pfüller, im Oktober 2010

 

 

 

Blattträume, aus Blattspiel I bis IV, 2009

Erinnerung an meine Kunsterzieherin Suse Ahlgrimm von Oda Schielicke, Malerin

Der Schuh

Suse Ahlgrimm war für mich eine Kunsterzieherin, die ich als ernste, um nicht zu sagen strenge, Lehrerin empfand.
Ihre hochdeutsche Aussprache unterstrich ihre Reserviertheit, sie war klar, ohne Schnörkel,
emotionsfrei, dennoch motivierend.
Sie eröffnete in mir eine neue Sichtweite auf die Dinge, forderte eine genaue Betrachtung und das von verschiedenen Seiten.
Ich erinnere mich besonders an eine Unterrichts- stunde, in der wir unseren eigenen Schuh
zeichnen sollten. Mit diesem Schuh verbinde ich

 

noch mehrere Erinnerungen, besonders die an meinem Vater und an meine Mutter. Wir waren extra in den Ferien nach Berlin gefahren, um für mich ein Paar neue Schuhe zu kaufen. Der 1. September 1966 nahte, der Beginn meiner Schulzeit an der Helmholzober- schule. Der 1. Schritt in eine neue Schule, auf dem Weg zum Abitur und das mit neuen Schuhen. Stolz war ich auf meine braunen ledernen Schnürschuhe mit dem Stepprand,
den hellen Schnürsenkeln und dem kleinen Absatz.
Umso mehr freute es mich als Suse Ahlgrimm sagte: »zieht bitte einen eurer Schuhe aus,
stellt ihn auf den Schultisch und zeichnet ihn mit Bleistift auf Papier.«
Nun sah ich ihn vor mir, meinen Lieblingsschuh. Ich versuchte zuerst, seine äußere Form
zu erfassen und ihn in angemessener Größe auf Papier zu zeichnen.
Suse Ahlgrimm schaute mir über die Schulter und machte mich darauf aufmerksam, nun auch in die Details zu gehen und durch verschiedene Grauwertstufen und Linien die Schuhe von Leder, Garn und den kleinen Metallösen darzustellen. Ein Schuh im Stillstand war für mich so etwas wie ausruhen, innehalten, sich Zeit nehmen für die genaue Beobachtung der großen Form und ihren Einzelheiten.
Für mich war diese Unterrichtsstunde eine wichtige Erfahrung und ein wahrhaftiges Erlebnis, welche für meinen Werdegang eine nicht unerhebliche Bedeutung hatte.

Oda Schielicke, Caputh, 26.09.2010

 

 

 

Charis Schwinning

8. Juni 2010 – Ein Herz am rechten Fleck

Heute ist der Geburtstag von Suse Ahlgrimm. Seit 34 Jahren war ich zum ersten Mal wieder im Malsaal der Helmholtzschule. In meiner Erinnerung steht Suse Ahlgrimm vor mir in einer Art Uniform oder Kittel – grau, grob, fein gemustert. Klar umrissen und streng ist ihre Erscheinung.
Was habe ich von ihr gelernt, durch sie erfahren als Oberschülerin?
Vor allem Sparsamkeit im Umgang mit Material und die Reduktion der Mittel zur Erlangung der eigenen Bildsprache.

Als ich mich auf die Aufnahmeprüfung zum Architekturstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee vorbereitete, hatte ich meine Liebe zu sechs Näpfchen Gouachefarbe entdeckt, mit denen ich eine Serie handtellergroßer Bilder tupfte. Frau Ahlgrimm hatte mir einen halbzentimeterbreiten Flachpinsel überlassen, mit dem es sich kratzen, stupfen, schaben ließ. Diese Bildchen, die mein Mitbringsel zur Aufnahmeprüfung sein sollten, wurden von Frau Ahlgrimm akzeptiert und die Kommission wollte mich daraufhin zum Studium der Malerei umstimmen.

Bis heute sind für mich die Ordnung in allen Dingen und ein gewisses Disziplinieren zum Grundsatz geworden, die mir meine Lehrerin Suse Ahlgrimm mit auf den Weg gegeben hat.

Charis Schwinning, Kartzow 2010

 

 

 

Nächtliche Gedanken, 2010

Maren Simon

Entwicklungshilfe – meine Begegnung mit Suse Globisch-Ahlgrimm

Wie bei vielen, hier vertretenen Potsdamer Künstler-Kollegen, hat Suse Globisch-Ahlgrimm einen gewissen Anteil auch an der Entwicklung meines Lebensweges, denn sie unterstützte auch mich, meinen Weg als Künstlerin zu finden. Im Gegensatz zu ihren Schülern der Erweiterten Oberschule, bezog sich ihr Verhältnis zu mir, eher auf außerschulischer Ebene.
Nachdem ich die Gärtnerlehre beendet hatte und in meinem Beruf tätig wurde, wuchs in mir der Wunsch mich weiterentwickeln zu wollen. Wohin die Reise gehen sollte, wusste ich aber noch nicht. Im Elternhaus verfolgte man meine künstlerischen Tätigkeiten mit  gewisser Sorge. Mutter und Vater unterstützen mich sehr, doch wusste der Vater auch aus eigener Erfahrung von den Schwierigkeiten, mit denen freie Künstler immer

 

zu kämpfen haben würden.
Suse Ahlgrimm, die damals noch alleinstehend, als Lehrerin und Künstlerin gleichzeitig arbeitete, war mir insofern ein Vorbild, als dass sie mich lehrte, dass man das, was man tut, lieben muss und tun muss, was man liebt... . Ich erinnere mich besonders an die Gespräche mit ihr, die wir in ihren eigenen ›vier Wänden‹ führten und die oft so verliefen, dass sie mir lediglich zuhörte, ohne selbst viel zu erklären. Ich fühlte mich ernst genommen und ich zog aus diesen Gesprächen sehr viel Kraft und mir wurde beim Berichten und dem Äußern von Zweifeln bewusst, dass derjenige, der sein Ziel nur ernsthaft genug verfolgt, alles im Leben erreichen kann.
Suse Globisch-Ahlgrimm brachte mich dann auch auf die Idee, mich an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zu bewerben. Sie ging davon aus, dass ich mit meinen sensiblen, zarten und zugleich eigenwillig formulierten Insektenstudien, eine Chance hätte, die ich nutzen sollte. Wissenschaftliche Illustrationen begleiteten mich seit meiner Kindheit. Solange ich denken kann, beschäftigten mich Bücher, die sich der Natur widmeten. Ich verschlang sie förmlich. Und so schien mir plausibel, was ich hörte und meine Freude war entsprechend groß, als sie mich dann tatsächlich zum Studium zuließen.
Leider brauchte später dann, kein Verlag die junge Künstlerin und ›komischen Vogel‹
( Zitat Herr Heinz Hellmis vom Aufbau-Verlag), ich putzte so viele Klinken ergebnislos.
Und ich malte verzweifelt, um überhaupt etwas Sinnvolles zu tun. Es ist schön, wenn es im Leben dann anders kommt, als erwartet.
Heute bin ich dankbar, über viele Steine hinweg, zu meiner, etwas anderen Spur, gefunden zu haben. Der oft zitierten chinesischen Weisheit: »Der Weg ist das Ziel«..., kann ich nur zustimmen!
Suse Globisch-Ahlgrimm (und vielen anderen auch) danke ich heute für ihre Geduld und ihren wohlwollenden Blick, der mein unsicheres Suchen auf meinem Wege begleitete.

Maren Simon im September 2010

 

 

 

Eva-Maria Viebeg

SUSE AHLGRIMM
(Unterricht bei Frau Ahlgrimm 1964–1967)

PONY BRILLE
AUGEN anderswohin
als auf die Schüler .Aber doch auch
MARIA LAACH
(mit dem blauen vulkanischen See,
wie ich später selbst sehen konnte,
und Hildegard von Bingen wie ich auch später erfuhr)
GERNRODE im Harz. Die ROMANISCHEN RUNDBÖGEN

Faust II »Phorkyas...«, 1983

 

TECHNIKEN
LÄCHELN
SAMMELN
VORSICHT
AUFMERKSAM MACHEN AUF
OBJEKTIVITÄT
MATTHIAS GRÜNEWALD
SACHLICHES SCHWÄRMEN
BEGEISTERUNG VERMITTELN
BLICKE ÖFFNEN
– aber bitte doch in die von ihr gemeinte Blickrichtung
GOTIK und KARTOFFELDRUCK
Sie konnte jedem Schüler den Eindruck vermitteln etwas zu können
Es ging weniger um PHANTASIE
als um STRUKTUREN und KONTRASTE
Ja eben um das SCHAUEN
ZEICHNEN
ZEICHEN setzen ...
Und: der Zeichen-Kunstunterricht war genauso wichtig wie Physik
Nein wichtiger

Eva-Maria Viebeg

 

 

 

Heidi Wilhelm

Für Suse Ahlgrimm

Beim Sammeln von Kunstpostkarten für die Kunstmappen, die schon beträchtlichen Umfang Jahr für Jahr angenommen hatten, stieß ich auf die farbenfrohen Bilder der Expressionisten. Sehnsüchtig wartete ich darauf, im Unterricht mehr über diese Kunstrichtung zu erfahren. Endlich in der 12. Klasse entwarf Frau S. Ahlgrimm anhand aufgeklebter Reproduktionen ein lebendiges Bild der Künstler, die sich zur KG »Brücke« zusammengeschlossen hatten. Ihre Werke empfand ich in der Form und Farbigkeit aufreizend, wild und kühn. Besonders begeisterten mich die Aquarelle von Emil Nolde, so wollte ich mich auch ausdrücken. Also malte ich zu Hause ohne

Grüner Apfel, 2000

 

Wissen um die Schwierigkeiten auf sehr feuchtem Grund, dass die Farben nur so wegliefen. Eigentlich sollten es Blumen werden, aber die Farben ließen sich nicht aufhalten, vermeng- ten sich zu neuen Farben und Gebilden, merkwürdige quallenartige Formen schwammen auf unterschiedlich gefärbtem Untergrund. Jene Leuchtkraft, jener Ausdruck wollten mir nicht gelingen.
Nach dem Unterricht legte ich unsicher meine Versuche vor, die Frau S. Ahlgrimm kritisch betrachtete. Ihre Antwort war diplomatisch und salomonisch: »Entweder bist du zu jung oder zu alt für solche Art von Malerei! So einfach und schnell geht das nicht, erst muss man die technischen und künstlerischen Mittel beherrschen lernen.«
Sie gab mir viele Hinweise, was ich alles versuchen sollte.
Es wurde ein langer Weg.

Heidi Wilhelm, Potsdam 2010

 

 

 

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Christine Böer
Antje Brosig
Elke Bullert
Dirk Burkholder
Manfred Butzmann
Christiane Dorst
Peter Fritz
Regina Klug
Lothar Krone
Wolfgang Liebert
Gisela Neumann
Monika Olias
Bettina Pfüller
Oda Schielicke
Charis Schwinning
Maren Simon
Eva-Maria Viebeg
Heidi Wilhelm